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Der Blick muss sich andere Feindbilder suchen

(Quelle: Blick.ch)

Alex Frei und Marco Streller haben heute ihren sofortigen Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft erklärt. Die Kampagnen der letzten Wochen haben sogar soweit geführt, dass auch das Privatleben der beiden betroffen war. Dies ist heute in einer gemeinsamen Erklärung zu entnehmen. Damit haben die beiden den konsequenten Schritt nach einer gegen Spieler des FCB geführten Kampagne in der Nationalmannschaft gezogen.

Was sollen wir von diesem Schritt und diesen Entwicklungen halten? Hesch ghört hat schon mehrfach über die Thematik geschrieben:

Typisch Schweiz, Die Causa Frei, Chapeau Marco Streller, Und wer hat jetzt die Narrenkappe an

Damals wie heute stehe ich hinter einem Rücktritt in einer solchen Situation. Es stimmt allerdings nachdenklich, wenn sich bei den Fans der Schweizer Nationalmannschaft die Animositäten gegen einzelne Klubs auch dann zeigen, wenn alle für die Nation auflaufen. Die Kleinkariertheit eines Landes (oft von Alex Frei bemängelt) zeigt sich hier in Reinkultur. Die Nationalmannschaft und ihre Spieler werden erst dann wieder mit vollem Einsatz und Stolz für ihr Land spielen, wenn die Fans wie eine Wand hinter ihnen stehen und die Klubebene für einmal ausblenden. Diese Verschworenheit haben uns andere Nationen vor und machen schlussendlich einen starke Nationalmannschaft aus.

Wenn die Rücktritt von Streller und Frei dazu führen, dass auf Fanseite ein Umdenken stattfindet, dann hatten sie durchaus ihren Sinn. Denn in einer Nationalmannschaft spielen nunmal die Besten eines Landes und die spielen im Falle der Schweiz nicht nur im Ausland, sondern eben auch in der heimischen Liga, beim FCZ, bei YB oder beim FCB. Um in die Nationalmannschaft zu kommen, muss man ehrgeizig sein. Wenn Ehrgeiz (wie im Falle des Alex Frei) aber dazu führt, dass man gehasst wird, dann verstehe ich die Fussballwelt nicht mehr.

Im Gegensatz zum Angebot einer Klubmannschaft, schlägt man das Aufgebot in die Nationalmannschaft nicht aus. Wenn es so weitergeht, wird dies aber bald dazukommen, wenn Exponenten einzelner durch Kampagnen des Boulevard systematisch an den Pranger gestellt werden.

P.S. 42 Tore in 84 Spielen. Es wird lange dauern, bis jemand wieder ein Quote von 0,5 Toren pro Spiel erreicht!

Streller hat die Seuche

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(Der FCB Strum auf der Bank: Der eine sollte, der andere muss dort sitzen.)

Christian Gross hält unvermindert an seinem einzigen Stürmer Marco Streller fest. Eren Derdiyok, der im Sommer nach Leverkusen soll, schmorrt weiterhin auf der Bank. So auch gestern gegen Xamax Neuenburg. Aber auch gestern hat Marco Streller kein Tor gemacht: und genau das wäre die Aufgabe eines Stürmers. Ein Kopfball an den Pfosten und eine 100-%-ige Chance vergeigt, das die magere Ausbeute. Was der Arlesheimer auch anpackt, es gelingt ihm nichts.

Nun, mangelender Einsatz ist ihm nicht vorzuwerfen. Bei jedem Auskick von Costanzo, bei jeden langen Pass in die Spitze, versucht er seinen Mitspieler via Kopf zu lancieren. Hinzu kommt, dass die Schiedsrichter dieses Landes jedesmal, wenn ein Gegenspieler neben Streller umfällt, auf Stürmerfoul entscheiden. Trotzdem: es sei nochmals gesagt, Stürmer müssen Tore machen. Erst recht, wenn man nur einen aufbietet.

Wie soll es also weitergehen? Riskiert Christian Gross mit dem Festhalten an der Personalie Streller noch die Meisterschaft und damit seinen Kopf. Wird Streller je wieder seine Form finden? Die Kurve steht hinter ihm, das zeigen auch die Sprechchöre im gestrigen Spiel. Der Rest des Zuschauer und vor allem der Bahndamm aber pfeiffen ihn aus, wenn er wie gestern jeden Ball Richtung Tor verstolpert.

Die Fragen bleiben unbeantwortet. Schon am Donnerstag geht es im Cup weiter gegen YB. Schiesst Streller den FCB in den Final, dann ist er der Held. Trifft er bis Saisonende nicht mehr und der FCB verspielt seine Titel, dann muss sich nicht nur Streller seinen Gedanken machen. Der Klub ist dann gefordert, muss dringend Stürmer verpflichten und sich vorwerfen lassen, dass man Eren Derdiyok wegen Gross Starrsinn ein halbe Jahr auf der Bank versauern liess.

Nachgetreten: Die Durchhalteparolen

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(Bild: flickr.com)

Glauben Sie mir, nichts liegt mir ferner, als dem FCB Miss-Erfolg zu wünschen. Ich gehöre nämlich in die Kategorie “Ja, eine FCB-Niederlage kann mir die Stimmung versauen” und manchmal sogar ein Unentschieden wie gestern gegen die Grasshoppers. Was mich allerdings noch wütender macht, sind die ständigen Durchhalteparolen. Ja, ich weiss, dass Leben als Fussballprofi ist nicht einfach und nach dem Spiel eine gescheite Analyse zu machen, ist noch weit schwerer.

Aber langsam glaube ich, dass die Aussagen auch von der eigenen Leistung ablenken sollen. Beispiele gefällig.

“Diese Niederlage ist nicht so schlimm, wir haben ja noch 17 Spiele vor uns”. – Reto Zanni nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

“Jetzt müssen wir gegen GC und den FCZ gewinnen”. – Marco Streller nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, Meister zu werden.” – Marco Streller, nachdem der FCZ gegen GC am 8. Februar 2009 nur ein 2:2 erreichte.

“Jetzt müssen wir gegen den FCZ gewinnen. Ohne Wenn und Aber. – Marco Streller nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

“Wir müssen auch das positive sehen, wir haben kein Tor erhalten.” – Benjamin Huggel nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

Nun, Durchalteparolen können was Gutes sein. Sie können dem Fan das Vertrauen in die Mannschaft vermitteln. Zum Bummerang werden diese nur, wenn die Spieler beginnen zu glauben, was sie erzählen. Dann nämlich liegt der Verdacht nahe, dass sie den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt haben. Noch ist es aber nicht soweit und wir können immer noch auf das nächste Spiel gegen den FCZ hoffen.

Wenn die Spieler dann anschliessend nur nicht zu Protokoll geben: ” Meister wird, wer am Ende oben steht und noch ist rechnerisch alles möglich.” Eine weitere sehr beliebte Durchhalteparole, um eigentlich nichts anders zu sagen wie: Es ist alles verloren, wir haben es vergeigt!