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Basel tickt anders!

Die Welt in Basel ist in Aufruhr. Geschafft hat das ein Mann aus Herrliberg. Bei der ganzen Diskussion um “links” oder “rechts” zeigt sich die ganze Besonderheit der Region Basel und ihre fast schon merkwürdige “Hassliebe” zur Basler Zeitung. Am augenfälligsten wird das bei zwei aktuellen Umfragen auf Telebasel Online.

Da wollen 43% der User wegen des drohenden Rechtsrutsches ihr BaZ-Abo künden, aber fast 45% denken, dass die  SVP- Ausschaffungsinitiative dafür sorgt, dass alle kriminellen Ausländer ausgeschafft werden. Da bewahrheitet sich wieder mal der Slogan: “Basel tickt anders!”

Kämpfe Basel, kämpfe!

Eine Stadt wehrt sicht, zumindest ein Teil davon, für seine Zeitung. Eine Zeitung notabene, welche in den letzten Jahren oft an journalistischer Qualität zu wünschen übrig lies und deswegen nicht zu unrecht Abonnement um Abonnement verloren hat. Aber dies soll hier nicht das Thema sein.

In Internetforen wehrt sich die Öffentlichkeit gegen das Beratungsmandat von Christoph Blocher, gegen den rechtskonservativen Journalismus von Chefredaktor Markus Somm und gegen was auch immer. Fakt ist, auf Rettet Basel haben bisher über 8’000 Personen (alles BaZ-Abonnenten?) eine Online-Petition für eine SVP-unabhängige Zeitung oder wie in vielen Medien zitiert “politisch neutrale” Tageszeitung unterschrieben. Da stellt sich doch uns die Frage: Was ist politisch neutral resp. SVP-unabhängig?

 Nun, ich denke, mit SVP-unabhängig meinen viele wohl, dass Christoph Blocher sich da raushalten soll. Politisch neutral hingegen ist schon schwieriger zu beurteilen. Denn meiner Meinung nach, kann eine Zeitung gar nicht politisch neutral sein. Politisch neutral würde heissen, keine Meinung zu haben. Deshalb versuche ich der Sache respektive dem Grund des Aufstandes und der Aufregung mal anders auf den Grund zu gehen. Ich hab mir die Mühe gemacht, dass Stammgebiet der Basler Zeitung, den Wirtschaftsraum 31, mal politisch unter die Lupe zu nehmen. Welche Parteien haben welche Stärke in den jeweiligen Gebieten und den entpsrechenden Kantonsparlamenten. Der Einfachheit halber und der Übersichtlichkeit wegen habe ich nur jeweils die Top-5 Parteien aufgeführt.

Basel-Stadt:

SP (29,7%), Grüne (13,8%), SVP (13,7%), FDP (9,9%), LDP (8,4%)

Baselland:

SP (22,94%), SVP (22,53%), FDP (20,93%), CVP (12,1%), Grüne (12,06%)

Aargau (Fricktal):

SVP (32,4%), CVP (19,8%), SP (16,6%), FDP (13,8%), Grüne (11%)

Solothurn (Thierstein/Dorneck):

FDP (28,99%), CVP (24,2%), SVP (18,8%), SP (15,41%) Grüne (7,71%)

Soviel zur Statistik. Machen wir nun eine ganz einfache “Milchbüebli-Rechnung” und gehen davon aus, dass dies der potentielle Markt der Basler Zeitung ist und das Wahlverhalten der politischen Grundgesinnung und damit der Richtung entspricht, die man als Leser in einer Zeitung erwartet, dann kommt man zu folgenden Schluss.

Politisch neutral wird nicht gelesen, da die grosse Mehrheit der Wähler eine politische Meinung hat. SVP-unabhängig und damit, meinen wohl viele auch, keine SVP-freundliche Themen, dürfte nur für eine Zeitung erfolgversprechend sein, welche im Kanton Basel-Stadt verkauft wird. Das wäre ein Modell, das ginge dann aber mit einer bedeutend kleineren Redaktion.

Erfolgversprechend und wirtschaftlich am Interessantesten dürfte es aber sein, eine Zeitung für die ganze Region zu machen und die müsste zwingend “politisch ausgewogen” sein. Themen aus allen Bereichen der politischen Richtungen vertreten und damit die grösstmögliche Zahl der potentiellen Leserinnen und Leser ansprechen. Natürlich unter der Voraussetzung guten Journalismuses.

Dürfte eigentlich nicht so schwer sein und vielleicht konzentriert man sich bald darauf und macht endlich wieder eine gute Zeitung. Es wäre zu wünschen, denn die Region hat nur eine!

Markus Somm wird Chefredaktor der BaZ

(Bild: bazonline.ch)

Der Aufschrei, der sich meldenden Minderheit (?) ist gross. Ein Aargauer mit Ostschweizer Wurzeln wechselt an die Spitze der Basler Zeitung. Geht das überhaupt? Ein Nichtbasler als Chef des hiesigen medialen Kulturgutes “Basler Zeitung”? Wieso nicht.

Der FCB feierte seine grössten Erfolge mit einem Deutschen respektive einem Zürcher. Nun ist wieder ein Deutscher am Ruder. Basels erfolgreichste Eigengewächse kommen aus dem Baselbiet oder dem Fricktal. Der FCB zeigt, dass der Begriff “Basler” nicht allzu eng definiert werden sollte. Wieso also sollte man sich bei der Besetzung der hiesigen Zeitung auf eine Person aus dem Stadtkanon und damit auf einen Markt von gerade mal 37 Quadratkilometer beschränken?

Basel gibt sich weltoffen, macht aber nun plötzlich Vorbehalte, wenn der neue Mann am Ruder der Basler Zeitung von jenseits des Bözbergs kommt. Hört die Welt an der Stadtgrenze auf? In Foren melden sich bereits erste verärgerte Leser, welche ihr Abo künden wollen (bin gespannt auf die Alternativen). Vergessen aber wird, dass unter den Chefredaktoren in der “Post Platz”- Ära Tausende von Abonnemente gekündigt wurden und das obwohl zwischenzeitlich auch Chefredaktoren aus Basel am Ruder waren. Diese gilt es nun zurückzuholen.

Die diffusen Ängste, dass aus der Basler Zeitung ein rechtsbürgerliches Blatt à la Weltwoche wird, sind meines Erachtens fehl am Platz. Die Weltwoche als Wochenzeitung hat eine andere Ausrichtung, als eine regionale Tageszeitung. Ausserdem verfügt die Basler Zeitung nicht über einen redaktionellen Stamm an Journalisten, welcher von einem Tag auf den andern seinen Schreibstil um 180 Grad ändern kann. Aber selbst die eingefleischten politisch eher linksstehenden “Basler” müssten erkennen, dass eine wirtschaftliche Überleben der Zeitung nur gewahrt werden kann, wenn die Basler Zeitung sich auch ausserhalb der Stadtgrenzen verkauft. Mit dem Baselbiet und dem wirtschaftliche ebenfalls prosperierenden Fricktal gehören Gebiete zum potentiellen Leserstamm der Basler Zeitung, welche politisch eher auf der bürgerlichen Linie sind. Die politische Vielfalt der Region Basel muss deshalb auch in einer echten Regionalzeitung zum Ausdruck kommen. Das dies längerfristig der Fall ist, dafür kann Markus Somm sorgen. Und zwar nicht, weil er politisch eher rechtsbürgerlich steht, sondern weil er ein guter Journalist ist. Ein guter Journalist muss eben auch Themen aufgreifen, die unbequem scheinen und damit den landläufigen journalistischen Mainstream hinterfragen.

Warten wir also die ersten 100 Tage ab und entscheiden dann, ob die Basler Zeitung auf dem Weg zu einer qualitativ besseren Zeitung ist. Denn es ist unbestritten, dass die Zeitung in dieser Hinsicht Nachholbedarf hat. Allerdings wird die Ernennung von Markus Somm alleine noch keine bessere Zeitung machen. Die Redaktion muss aufgestockt werden, damit die Journalisten wieder jene Geschichten verfolgen können, die Relevanz in der Region haben.

Basel ist in punkto Kultur, Sport und wirtschaftlicher Prosperität schon längst eine feste Grösse in der Schweiz. Es ist nichts falsch daran, dass sie auch in punkto Medien wieder dorthin gelangt, wo sie vor vielen Jahren einmal war.

Mit dem Rücken zur Wand

Den Zeitungen in der Schweiz geht es schlecht und die Leser sind die Leidtragenden. Qualitativer Journalismus ist rar geworden. Die Jagd nach Skandalisierung und einer immer noch tolleren Story hat eine regelrechte Boulevardisierungswelle ausgelöst, die selbst vor dem staatlichen Fernsehen keinen Halt macht. Es wird versucht, mit einem Pseudo-Sensationsjournalismus Leser bei der Stange zu halten. Die Folge davon ist, dass früher angesehene Tageszeitungen sich immer mehr den Gratisblättern von 20Minuten und Blick am Abend ähneln. Wieso soll der Abonnement denn noch was dafür bezahlen? In vielen Gegenden  kommt ein Zeitungsabo einem Beitrag an einen Verein gleich, den man halt unterstützt, weil er zur Region gehört. Doch echten Mehrwert erhält man schon lange nicht mehr.

Teures und gutes Personal muss wegen dem finanziellen Druck auf den Redaktionen den jungen Journalisten weichen. Diese schreiben oft nach dem Mund der Öffentlichkeit, selten aber mit Tiefgrund. Wie sollen sie auch? Zeit ist eine teure Mangelware auf den Redaktionen. Als guter Rechercheur gilt heute ein Journalist, welcher Zeit hat, mehr zu lesen als die Konkurrenz und zwei Seiten einer Pressedokumentation. Heute sind Schlagzeilen gefragt. Der Leser wird dabei Tag für Tag verarscht. Oder sagen wir, für dumm verkauft. So geschehen in der Baz von heute. Da wird ein neues Kreuzworträtsel, ein Sudoku und ein künftig umfangreicheres TV-Programm tatsächlich unter dem Titel “Mehr Service für BaZ-Leser” angekündigt”! So weit sind wir schon.

Das wird sich auch nicht ändern, wenn Zeitungen fusionieren, so wie die gestern in den Medien aufgetauchte Spekulation, dass die NZZ die Baz kaufe. Der Inhalt einer Zeitung wird erst dann besser, wenn die Redaktionen wieder Geld haben. Eine gut funktionierenden Gesellschaft ist auf eine qualitativ hochstehende Medienlandschaft angewiesen. Nur dann funktioniert ihr System, gerade jenes so komplexe System einer direkten Demokratie, wie es die Schweiz praktiziert. Medien sind immer noch Informationsquelle Nummer 1 bei den Leuten, seien es TV, Radio, Internet oder Zeitungen. Wenn alle nur noch in Richtung Boulevard tendieren, dann ist dies das Aus einer gut informierten Gesellschaft.

Wie aber rettet man die Zeitungen. In den USA kam die Idee von Stiftungen auf, welche dann die Redaktionen unabhängig vom Inseraterfolg finanzieren können. Man könnte aber auch an eine Staatshilfe für Zeitungen denken. Wieso eigentlich nicht? Ein Versuchballon zur Eröffnung einer Diskussion wäre es auf jeden Fall wert. Sicherlich werden die schlecht geführten Zeitungen nicht überleben. So soll es auch sein, gerettet werden soll nur, wer auch ein überzeugendes und nachhaltiges Konzept hat. Aber wenn auf den Redaktionen erstmal wieder die Qualität steigt, dann können sich einige langfristig auch wieder auf dem Leser- und Werbemarkt durchsetzen. Dann haben dieLeser wieder eine Wahl. Die haben Sie heute nicht. Heute sind 80% der Tageszeitungen in der Schweiz gleichgestrickt und dann gibt es noch die NZZ, die Weltwoche und die WOZ. Salopp gesagt.

Christian Heeb ist zurück

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Der Gründer von Radio Basilisk und ehemalige Radiopirat und eine der Stimmen  vom Pizzo Groppera ist zurück. Dort wo er am liebsten ist. Mitten in der Radioszene. Christian Heeb hat sich Basel 1 von der Basler Mediengruppe gekauft. Oder soll man sagen, er hat sich die Konzession gekauft. Der Basler Mediengruppe gelang es nie, das Radio zu integrieren. Nun konzentriert man sich in der Krise wieder auf’s Kerngeschäft: das Zeitung machen. Damit ist man natürlich selbst für Übernahmen und Kooperationen wieder interessant. Denn die meisten Verläge besitzen bereits Lokalradios und haben deshalb wegen des drohenden Stellenabbaus und der Doppelspurigkeiten bisher nicht nach Basel geschielt. Das könnte sich in den nächsten Monaten ändern.

Und was geschieht mit Basel 1? Es wird zum vierten Mal (Raurach, Edelweiss, Basel 1) einen neuen Namen erhalten. Radio für “mündige Bürger” will Heeb machen, was rechtlich gesehen Radio für Leute ab 18 Jahren ist. Er will die redaktionelle Leistung ausbauen.

Kann man damit Erfolg haben? Ich denke ja, professionelle Information hat auch im Radio ihren Wert, wie die Erfolge der Regionaljournale und von DRS 1 bis 3 zeigen.

Kann man damit Geld verdienen? Ich denke, das wird schwieriger. Information kostet Geld und dies wird kaum nur aus Werbegeldern zu finanzieren sein. Obwohl, gerade in der Krise sollte Radiowerbung eine günstige und effektive Werbeform für Firmen sein.

Man kann gespannt sein, was der Radiopionier für die Zukunft alles plant