10 gegen 10’000

27 03 2014

Die Mahner, Rufer und Besserwisser (ACHTUNG: auch ich bin ein Besserwisser) haben nach dem Urteil der Uefa gegen den FC Basle wieder Hochkonjunktur. Allerdings nützt es nicht, böse und liebe Fans gegeneinander auszuspielen. Wir waren alle mal jung. Keine Repressalie und Regulierung der Welt, verhindert Vorkommen wie in Salzburg, solange man den Fussball nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen will. Die Vergleiche mit der Premier League kann ich schon nicht mehr hören. Dort wurden die Ticketpreise so hoch angesetzt, dass sich kaum ein gewöhnlicher Fans die Tickets mehr leisten kann. Das gesellschaftliche Problem wurde über den Geldbeutel beseitigt und auf tiefere Ligen “ausgelagert”. Das funktioniert aber nur, weil Englands Fussball eine Geld- und Unterhaltungsmaschine ist, so dass die betuchte Klientel die Stadien halt trotzdem füllt. In der Schweiz ist dies nicht realisierbar, dafür ist die Liga einfach zu wenig stark. Auf der anderen Seite bewundern alle die Hingabe, mit welcher der sogenannte MK-Fans, die Fahne des Klubs auch im Ausland hochhält. Die Gesänge, welche durch englische Stadien hallten, finden auch in den englischen Medien immer wieder anerkennende Aufmerksamkeit.

Fakt ist aber, dass es eine Gratwanderung zwischen Hingabe, Engagement und ausufernden Aktionen wie Pyros und Vorkommnissen wie in Salburg gibt. Gerade auswärts – und das wird sicher jeder Psychologe bestätigen – ist diese Gefahr umsogrösser, weil man in der Minderheit ist und es den anderen zeigen will. Verfolgte man das Auftreten der Verantwortlichen und östreichischen Medien rund um das Spiel gegen Salzburg, war es auch nicht verwunderlich, dass die Fans zu solchen Reaktionen griffen. Man konnte fast meinen, Salzburg war sich des Status, welcher der FCB sich sportlich in Europa erarbeitet hatte nicht bewusst bzw. wollte ihn nicht anerkennen. Da mussten die Fans quasi zeigen, wer der FCB ist. Es braucht nur einen, der sich dann nicht im Griff hat und Tausende werden gestraft.

Das Urteil zeigt aber auch, dass der FCB mit seinen Erfolgen bei der Uefa nur eine Aussenseiterrolle einnimmt. Er hat nicht das Standing, um so bedeutend zu sein, als dass es den europäischen Wettbewerb nicht auch ohne ihn geben kann. Hochmut kommt vor dem Fall und dieser kann nicht nur Offizielle und Spieler, sondern eben auch Fans befallen. Die Frage nach Gerechtigkeit stellt sich beim Urteil nicht. Die Uefa legt die Spielregeln fest und es ist wie bei einem Unternehmen, Mitarbeiter können entlassen werden. Jeder ist ersetzbar, auch der FCB in Europa und der nächste Schweizer Klub steht bereit, um diesen Platz einzunehmen.

Noch ist es nicht soweit, auch wenn das Kapitel Europa League nun wohl ausgeträumt ist. Sich vor leeren Rängen zu begeistern, ist für einen Fussball nicht einfach, selbst wenn er nur seinen Job macht. Aber der motivierteste Mitarbeiter braucht die Anerkennung und das Lob von Mitstreitern und Vorgesetzten, um Höchstleistungen zu erbringen. Es ist zu hoffen, dass die fehlende Ambiance auch auf Valencia abfärbt.

Was bleibt vom Urteil hängen? Zwei Jahre Bewährung ist fast die schlimmste Sanktion innerhalb des Sanktionenkataloges, denn in zwei Jahren vergisst man schnell, wenn der Alltag wieder zur Routine wird. Es wird schwierig sich zwei Jahre unter Kontrolle zu haben, wenn 10 Leute das Schicksal von 10’000 mitbestimmen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass es schwieriger sein wird, die zwei Jahre unbeschadet zu überstehen, als einen Ersatz für Yann Sommer zu finden.

Wir wollen keine uniforme Fankultur. Der Grat zwischen Erlaubtem und Verbotenem wird und muss auch in Zukunft dünn sein, will man dies unterbinden, sterben Emotionen.





Umbruch im und wegen Sommer

6 03 2014

Sportlich läuft die Suche nach dem Meister 2014 noch, aber der FCB muss und wird sich schon heute Gedanken darüber machen, wie die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen wird. Sommer verlässt den FCB in Richtung Bundesliga, Streller ist und bleibt Alleinunterhalter im Sturm (wenn er denn seinen Vertrag erfüllt) und auch sonst können je nach Abschneiden der Schweizer Nationalmannschaft in Brasilien auch Stocker oder Schär ein Thema für ausländische Klubs werden.

Die Abwehr ist das kleinste Sorgenkind des FCB. Da wird man immer fündig. Schwieriger ist es ganz hinten und ganz vorne. Aber fangen wir hinten an: Wer wird Nachfolger von Sommer? Ich denke, es wäre an der Zeit, sich Gedanken zu machen, Diego Benaglio in die Schweiz zu holen, trotz Vertrag bis 2017 in Wolfsburg. Der Mann hat die 30 erreicht und Tochter Melija wird im September 4 Jahre alt. Da macht man sich langsam Gedanken über den Kindergarten und die baldige Einschulung (Fussballer sind ja auch nur Eltern). Was läge näher, einen Top-Goalie für vier Jahre zu verpflichten und ihm den Weg in die Heimat zu ebnen. Champions-League könnte er immer noch spielen und auch in der Meisterschaft wäre er gefordert, da gegen den FCB eh jeder sein Bestes gibt. Am Geld sollte es nicht scheitern. Damit wäre auch der Weg frei, um in dieser Zeit hinter dem erfahrenen Benaglio einen jungen Goalie aufzubauen. Nur mal so laut gedacht.

Erst 26 Jahre alt wird Ivan Rakitic in vier Tagen, aber wer gestern beim Freundschaftsspiel Schweiz-Kroatien dessen Freistösse in den Strafraum gesehen hat, weiss ohne grossen Fussballsachverstand, dass Rakitic der bessere Delgado ist. Lieber heute als morgen, sollten man den verlorenen Sohn zurückholen. Allerdings wird das weit schwieriger, denn wer kommt zurück in die Schweiz, wenn er in der Primera Division Kapitän seines Teams ist und das im besten Fussballalter. Trotzdem: Probieren und wenn nicht 2014 dann spätestens in zwei Jahren.

Schwieriger wird es, einen Streller Ersatz aufzubauen., kommt hinzu, dass hier die Zeit genau so drängt, wie in der Frage des Goalies. Der Zug mit Josip Drmic ist abgefahren und aus Schweizer Sicht zeigt sich keine vielversprechende Lösung. Hier muss die Hoffnung darauf gelegt werden, dass Chefscout Ruedi Zbinden, einen No-Name mit Knippser-Qualitäten aus dem Hut zaubert.

Es bleibt spannend!

 





Ist der Teppich für Yakin’s Abgang ausgelegt?

3 12 2013

Die Basler Zeitung rollt schon mal den Teppich für den möglichen Abgang von FCB-Cheftrainer Murat Yakin aus. Sie spurt die Kommunikation der Verantwortlichen gegenüber den Fans vor. (Gute Gründe für latente Unruhe beim FCB). So kommt es einem zumindest vor, wenn man den Artikel liest. Die Marke FCB muss nicht kurz- sondern langfristig denken und da könnte der Trainer Murat Yakin keine Zukunftslösung sein. Die mag stimmen und die Verantwortlichen haben mit ihren Entscheidungen in letzter Zeit immer Recht erhalten. Ausser bei Raoul Bobadilla, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, kann es durchaus sein, dass dessen Verpflichtung auch auf Drängen von Yakin Zustande gekommen sein könnte und es Bernhard Heusler heute noch wurmt, dass die Sache schief ging. Die Anzeichen dafür leuchteten aber von Anfang an wie der Polarstern am Himmelsfirmament.

Man kann von Yakin halten was man will, es war aber abzusehen, dass er seinen Charakter nicht ändert und sich nicht als Teil eines Unternehmen sieht. Auf jeden Fall nicht in der Weise, wie das den Verantwortlichen vorschwebt. Die Gründe für einen möglichen Abgang alleine bei Yakin zu suchen, wäre deshalb falsch. Noch ist er aber Trainer und ein durchaus erfolgreicher. Seit Christian Gross stand keiner mehr an der Linie, der eine Mannschaft so auf einen Gegner einstellen kann wie Yakin. Dabei ist es auch logisch, dass bei einem Trainer aus der Kategorie U40 mal eine Entscheidung bezüglich Spielsystem getroffen wird, die kein Mensch versteht. Irgendwie gehört das dazu. Junge Trainer müssen auch das Privileg haben, ihre Linie zu finden.

Ungeachtet der Tatsache, dass es innerhalb des Unternehmens Dissonanzen gibt, wäre es dem FCB zu wünschen, eine langfristige Lösung für den Posten zu finden. Diese kann durchaus in der Person Yakin liegen. Ein Sir Alex Ferguson oder Guy Roux waren auch nicht immer die pflegeleichtesten Trainer und führten mit der Teamleitung und den Spieler so manchen Kampf. Am Schluss zählt der Erfolg und Kontinuität ist nicht das schlechteste Rezept dafür.

Eher amüsant liest man die Randbemerkung, dass Thorsten Fink wieder auf der Matte stehen soll. Ohne Zweifel ist er ein Trainer mit Herz und Emotionen. Die Öffentlichkeit liebt ihn. Allerdings stellt man sich die Frage, wer die Trainings leiten soll und die Knochenarbeit machen müsste, wenn Thorsten Fink zurückkommt. Der Vogel ist bekanntlich ausgeflogen.





Wenn Trainer Entscheidungen treffen

23 10 2013

Ein alte Fussballweisheit sagt: Spieler gewinnen Spiele, Trainer verlieren diese. Genau aus diesem Grund versucht ein Trainer während eines Spieles alles zu unternehmen, dass Spiele gewonnen werden. Einfluss haben sie kaum noch, wenn das Spiel erst einmal läuft. Ein paar Zurufe hier und da, die Pausenansprache und natürlich die Auswechslungen. Wenig Einfluss also, aber viel Potential, etwas falsch zu machen.

Zwei FCB-Trainer machten in den letzten Tagen alles, um zu gewinnen, allerdings mit unterschiedlichen Erfolgen. Pep Guardiola ist ein General. Er belässt es nicht damit, dass sein Einfluss mit Anpfiff des Spiels endet. Selbst beim Stande von 3:1 für seine Mannschaft und in der 82. Minute griff er energisch ein, nur um Arjen Robben klar zu machen, dass nicht er, sondern Thomas Müller den Penalty schiessen soll. Das hat gesessen. Der Chef sitzt an der Seitenlinie.

Ein anderer Chef ist Murat Yakin. Er trifft seine Entscheidungen mit nicht weniger Konsequenz als Pep Guardiola, aber meist vor dem Spiel. Die Degen-Zwillinge oder Gaston Sauro können ein Lied davon singen. Sein System sorgt bisweilen auch mal für Verwirrung und seine Auswechslungen beeinflussen eine Mannschaft positiv oder negativ. Bisher hat es geklappt, so wie mit der Einwechslung von Matias Delgado im Champions-League Spiel gegen Chelsea. Nun aber muss auch er sich seine Gedanken machen. Die Auswechslung von Marco Streller fast 20 Minuten vor Spielschluss in der Champions-League gegen Steaua Bukarest bracht nicht die erhoffte Wirkung. Er wollte das Mittelfeld mit Mohamed Elneny dicht machen, schätzte aber die Auswirkungen auf das Konterspiel des FCB in dieser Phase schlecht ein. Keiner mehr da, der hoch angespielt werden kann und den Ball auch mal hält. Stattdessen versuchte es Mohamed Salah mit einer Schnelligkeit und seinen Dribblings im stürmischen Spiel nach vorne und verlor den Ball mehrfach, was Steaua wieder Möglichkeit gab und keine Ruhe brachte.  Die Achtelfinals in der Champions League sind nun nur noch mit einem Kraftakt auswärts gegen Schalke und daheim gegen Chelsea möglich. Vorausgesetzt man holt den Dreier im nächsten Heimspiel gegen Steaua. Auch ein Überwintern in der Europa League ist für einen Schweizer Klub nach wie vor eine grosse Leistung. Wer aber Chelsea in London schlägt, darf mehr erhoffen.

Abgerechnet wird am Schluss, aber die Weisheit bleibt, dass Erfolge den Spielern und Misserfolge den Trainern gehören.





Der Balanceakt mit der Sättigung

21 05 2013

Der FC Basel läuft gegen Ende der Spielzeit auf dem Zahnfleisch. Im Vergleich zum Rest der Schweizer Liga hat das Team von Murat Yakin rund 20 Spiele mehr in den Knochen. In Deutschland ist das mehr als eine Hinrunde! Kein Wunder stottert der Motor nun und kein Wunder ist die Selbstverständlichkeit und der Angriffsfussball nur noch ein Schatten seiner Selbst. Deshalb redet auch niemand von einem Wunder, wenn der zurzeit zweitbeste Klub der Schweiz (GCZ) den Cupsieg in Penaltyschiessen holt. Da muss keine Welt zusammenbrechen, noch braucht es deswegen Krisensitzungen auf der Geschäftsstelle des FCB.

Trotzdem hat sich gestern etwas abgezeichnet, was richtungsweisend sein kann. Ständig spielt der FCB mit einer Mannschaft am Rande des Sättigungsgrades. Es ist den Verantwortlichen zu verdanken, dass man die Grenze bisher nicht nachhaltig überschritten hat. Trainerwechsel und Spielerzukäufe brachten immer wieder neue Impulse. Doch nun sehen sich die Verantwortlichen im Hinblick auf die neue Saison vor Herausforderungen. Der Meistertitel wird sich die Mannschaft kaum mehr nehmen lassen, die Champions-League Qualifikation kann zumindest im Hintergrund geplant werden. Doch was auf dem Papier toll aussehen mag, verdient einen vertieften Blick.

Die Sättigung betrifft auch die Konsumenten sprich Zuschauer. Diese zeigt sich zum Beispiel in der Tatsache, dass ein Cupfinal nach sechs Finalteilnahmen in der jüngeren Zeit nicht mehr zieht. Das Ergebnis sind viele freie Plätze im Stade de Suisse. Obwohl die Mannschaft in der Europa-League eine unglaubliche Serie an den Tag legte, füllten sich die Stadien erst, als Tottenham und Chelsea kamen. Mit einer Selbstverständlichkeit erwarten die Zuschauer heute Erfolge, Titel und Spektakel und immer mehr zeigt sich, dass nur der harte Kern, wegen dem FCB an sich ins Stadtion kommt. Solche Tendenzen sind auch Vorboten in Sachen Sponsoring. Sponsoren wie Zuschauer müssen unterhalten werden, sollen sie auch in Zukunft ihr Portemonnaie öffnen. Und hier gilt es, die richtige Strategie zwischen der Steuerung der Erwartungshaltung und der Erfüllung des Anspruches auf dem Platz, zu finden.

Sättigung gepaart mit Müdigkeit nach einer langen Saison ist aber auch in der Mannschaft zu erkennen. So hatte man zweitweise den Eindruck, dass in den letzten Monaten Meisterschaftsspiele zum leidigen Pflichtprogramm verkamen. Es wird einen Schnitt geben (Steinhöfer, Cabral, Yapi müssen sowie Stocker, Dragovic und ein überraschenderer Dritter? werden wohl gehen). Sportlich liegt es dann an Murat Yakin, die nötigen Reize zu schaffen, dass die Sättigung eben nicht eintritt und der Wille nach immer mehr Erfolg verinnerlicht und damit zum Selbstverständnis wird. Eine der heikelsten Fragen stellt sich im Sturm. Kann Marco Streller trotz angekündigter Vertragsverlängerung nochmals die Kraft und den Willen für eine weitere Saison finden, gelingt die Integration von Bobadilla und welche Jungen nach Fabian Schär schaffen den Sprung in die 1. Mannschaft.

Die Antworten darauf sind richtungsweisend und sie sind in einem Umfeld zu suchen, welches den täglichen Balanceakt der Sättigung beherrschen muss, will der FCB auch die nächsten 10 Jahre erfolgreichen Fussball spielen.





Realität, wir haben ein Problem

29 04 2013

Die erste Niederlage der Meisterschaft im heimischen St. Jakob Park ist Tatsache und schon könnte man meinen, das Ende naht. “Nicht mal Fussball auf Challenge-League Niveau” war da noch einer der netteren Kommentare, welchen man in den Medien vernahm oder gestern im Stadion zu hören bekam. Hallo? Der FCB spielt seit Wochen im 3-Tages Rhythmus, warf den ukranischen Meister, den russischen Meister und die Tottenham Hotspurs aus der Europa-League und holte in dieser Zeit den Rückstand auf das junge Team des GC Zürich auf. Ein Höhepunkt nach dem anderen wechselte sich ab und man könnte meinen, dass Einige dabei den Sinn für die Realität verloren haben: Medien und Fans.

Halten wir fest. Der FC Basel reitet seit 2002 mit einigen Unterbrüchen auf einer Welle des Erfolges. Diese in der Vereinsgeschichte aussergewöhnlichen Jahre hatten den Nebeneffekt, dass der Misserfolg in der schnellen Mediengesellschaft praktisch vergessen wurde. Vereinzelt mögen sich ältere Fans noch an Zeiten erinnern, als ein gewisser Peter Epting hauptsächlich damit beschäftigt war, zu schauen, dass der FC Basel 1893 nicht in den Konkurs schlittert. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass wir dankbar sein müssen, für das, was wir in den letzten 10 Jahren erleben durfte. Die Fans, die Medien, der Schweizer Fussball, weil er mit einen Vereins-Uefa-Koeffizienten ausgestattet ist, der es praktisch der Hälfte der Klubs erlaubt, am internationalen Geschäft zu partizipieren und zu guter letzt auch die Schweizer Fussballtalente. Sie haben endlich die Möglichkeit, sich bei einem Schweizer Spitzenklub auf europäischem Niveau zu entwickeln, bevor sie ins Ausland wechseln.

In diesem Sinne: Calm down! Geniessen wir den Fussball und schrauben wir mit jedem Erfolg die Ansprüche nicht unnötig nach oben. Um langfristig an der Spitze zu spielen, fehlen dem FCB und dem Schweizer Fussball noch einige Grundlagen. Allen voran Geld, wie zum Beispiel aus den TV-Lizenzen. Denn erst wenn der Schweizer Fussball nur die Hälfte des Gelder, welche ein durchschnittlicher Bundesliga oder Premier League Klub erhält zur Verfügung hat, kann es ihm gelingen, dauerhaft in die europäische Spitze vorzustossen, zusammen mit den bereits in einigen Klubs erfolgreich betriebenen Nachwuchsförderung sowie dem Scouting.

Bis dahin ist es ein weiter Weg und selbst wenn der FCB in dieser Saison keinen einzigen Titel holt, hat er mehr erreicht, als dies in einem Durschnittsjahr in der 120jährigen Klubgeschichte der Fall war. Das musste wieder mal gesagt werden, denn nichts ist selbstverständlich und schon gar nicht der Erfolg.





Sportchef Frei

21 03 2013

Es ist bereits sehr viel zum Fall Alex Frei geschrieben worden. Erfahrene Sportjournalisten und Hobby-Kommentarschreiber haben sich gleichermassen geäussert. Dem wäre eigentlich nichts beizufügen. Es bleibt die Erkenntnis, dass man einen Alex Frei nicht in eine Struktur oder eine System einbinden kann. Das klappte auf dem Fussballplatz nicht und ist schlussendlich auch beim Übergang vom Fussballer zum Fussballfunktionär gescheitert.

Die Führung des FC Basel strebt ein heeres Ziel an. Der FC Basel ist und soll auch in Zukunft identitätsstiftend sein. Dazu gehört es, dass ehemalige und regional verankerte Sportgrössen an den Klub gebunden und eingebunden werden. Das fängt bei Karli Odermatt an, geht über Marco Walker, Adrian Knup, Massimo Ceccaroni, Beni Huggel  und wird wahrscheinlich auch einmal bei Marco Streller so sein. Die Idee dahinter ist, dass die Spieler das rotblaube Herz auch mit auf die Führungsebene nehmen. Denn wenn der Klub auch die nächsten 10 bis 15 Jahre nachhaltig geführt werden soll und die aktuelle Philosophie weitertragen soll, dann müssen Personen ran, die den rotblauen Virus in sich tragen und die Philosophie der aktuellen Führungscrew verinnerlichen. Denn aus diesen Personen kann der nächste Bernhard Heusler rekrutiert werden und nur wenn Personen nachgezogen werden, welche die Philosophie verinnerlicht haben, wird das jetzige System FCB auch in Zukunft Bestand haben.

Für Alex Frei ging das vielleicht zu gemächlich. Er ist keiner, welche die Sache langsam angeht. Er wählt den harten Weg und wirft sich sogleich ins Haifischbecken Sportfunktionär. Verläuft die 2. Karriere des Alex Frei genauso wie die erste, dann wird der FCB in 10 bis 15 Jahren wieder Freude an ihm haben. Ich sehe schon die Schlagzeilen “Alex Frei: Vor 15 Jahren wollten Sie ihm einen Juniorentrainerjob geben, jetzt wird er Präsident und CEO der FC Basel 1983 AG”.





Endlich wieder Fussball

8 02 2013

Draussen toben noch Schneestürme und in Zürich werden Fans zum Freischaufeln des Trainingsgelände aufgerufen. Dies ist die Zeit, in welcher die Super League ihren Rückrundenstart einläutet. Endlich. Vater Fussball hält wieder Einzug, selbst wenn schon jetzt die eine oder andere Spielverschiebung vorprogrammiert ist, geht es wieder los. Im Joggeli startet die Rückrunde am Samstag gleich mit einem Kracher. Im Spiel gegen den FC Sion treffen die beiden meistgenannten Meisterschaftsfavoriten aufeinander. Das Spiel wird für Murat Yakin und den FCB bereits richtungsweisend. Als Transfersieger des Winters kann das Team nur verlieren und ist damit in der Situation, in welcher die Mannschaft in den letzten Jahren immer am besten agierte: Als Verfolger der nur ein Ziel hat, die Meisterschaft zu gewinnen.

Genau wie beim deutschen FCB erwartet die Fans des FC Basels im Frühling ein “FC Hollywood light”. Spannung auf und neben dem Rasen ist garantiert. Im letzten Heimspiel am ersten Juniwochenden wäre nicht nur eine allfällige Meisterschaftsfeier angesagt, sondern auch der Abschied einer der grössten Schweizer Stürmer aller Zeiten: Alex Frei. Bis dahin gibt es aber noch viele Fragezeichen. Wird Alex Frei seinen letzten Fussballerfrühling auf der Bank verbringen? Gelingen ihm nochmals entscheidende Tore und wird er sich zum Abschluss definitiv in die Herzen der Muttenzerkurve schiessen? Die Antworten auf diese Fragen hängen nur bedingt von ihm ab. Er wird nochmals 120% geben, aber Regie in diesem mehrteiligen Abschiedsepos führt Steven “Murat” Spielberg, welcher den Erfolg der Mannschaft über die Interessen Einzelner stellt.

Aber auch im Mittelfeld wird einiges Los sein. Mit Serey Die trägt nun ein Mitteldtank sondergleich die Farben rotblau. Wird er der lang ersehnte Mittelfeldmotor des FCB? Und was, ja was, läuft mit Raul Bobadilla. Ist er gesund, wenn seine Sperren abgelaufen sind. Harmoniert er mit Marco Streller und macht er ihn mit seiner Präsenz und der Tatsache, Gegenspieler auf sich zu ziehen, zum Torschützenkönig?

Antworten auf all diese Fragen gibt es Wochenende für Wochenende (und manchmal auch unter der Woche). Der FCB 2013 als Unterhaltungsmaschine. Suchtgefahr ist vorprogrammiert und man reserviert sich lieber schon heute als morgen einen Platz in der ersten Reihe!





Aadie Josef

1 02 2013

Die Nachricht von Raul Bobadillas Knieverletzung dominierte gestern und heute die Schlagzeilen. Dabei hat sich gestern beim FCB weit bewegenderes ereignet. Josef Zindel legt sein Amt als Pressechef des erfolgreichsten Schweizer Fussballclubs des vergangenen Jahrzehnts nieder. Es mag eine Randnotiz sein und seine Nachfolgerin wird die Lücke fachlich sicher schnell schliessen. Mit Josef Zindel tritt beim FCB aber nicht nur Fachwissen in die zweite Reihe (er bleibt dem FCB als Schreiberling erhalten), sondern ein Stück FCB. Josef Zindel lebte den Fussball, er lebte den FCB (und das, obwohl er kein Basler ist). Zindel, das waren Emotionen pur. Es gibt kaum ein Journalist, der bei Niederlagen oder unbequemen Fragen nicht mal Opfer des “aufbrausenden” Josef wurde. Er stellte sich schützend vor die Spieler und den Club und blieb trotzdem ein herzensguter Mensch.

Als junger Sportjournalist war meine erste Begegnung mit Josef Zindel für ihn typisch. Er stritt sich während eines Spiels (damals noch bei der BaZ) auf der Journalistentribüne der alten Luzerner Allmend mit einem anderen Journalisten. Fast kam es zu Handgreiflichkeiten, wären andere nicht dazwischen gegangen. Aber so war Josef. Immer impulsiv, immer voll bei der Sache, was seiner Gesundheit in den letzten Jahren nicht immer zuträglich war. Noch kann man sich einen FCB ohne Zindel nicht vorstellen. Er gehört einfach dazu. Das Fussballleben geht weiter, aber Typen und Originale sterben langsam aus. Ich gönne es Josef Zindel, dass er sich in den kommenden Jahren wieder aufs Schreiben konzentrieren kann. In diesem Sinne wünsche ich ihm in seinem zweiten Leben als FCB-Angestellter alles Gute.

Spieler wie Bobadilla kommen und gehen. Sie sind verletzt und werden wieder gesund. Aber einen Josef Zindel gibt es nur einmal. Danke Josef!





Die Argumentation im Bobadilla Transfer

3 01 2013

Raul Bobadilla wird wohl bald beim FCB stürmen. So vermeldet es heute die Basler Zeitung. Ich mache keine Hehl daraus, dass ich diesen Transfer nicht lautstark beklatsche. Bobadilla hat sich bei seinen letzten Stationen im Ausland und auch bei YB nicht immer als “pflegeleicht” erwiesen, wenn es nicht gerade nach seinem Gusto lief. Unbestritten sind seine fussballerischen Qualitäten, welche ihn nicht nur in der Super League zu einem gefürchteten und abschlussstarken Stürmer machen. Explosiv ist aber auch Dynamit und genau deswegen wird es selten in der Nähe von Feuer gelagert….

Bobadilla hat nämlich das Potential nicht nur im Strafraum für Unruhe zu sorgen. Seine bisweilen vorkommenden Ausraster können auch mal einer ganzen Mannschaft schaden. Beim FCB ist man derzeit der Ansicht, dass die Mannschaft auf dem Platz “zu brav” ist. Ausserdem – und das scheint mit zumindest in den Medien – argumentiert man damit, dass Murat Yakin wisse, wie man Raul Bobadillas ungezähmte Energie in die richtigen Bahnen leite. Er hat dies schon einmal bewiesen. Vor bald sechs Jahren bei einem Verein, welcher im Volksmund auch als “Congeli” bezeichnet wird. Soweit so gut. Aber wir wissen nicht erst seit Rolf Dobelli, dass wir nicht auf Denkfehler hereinfallen sollten. Zumindest sollten wir Entscheidungen hinterfragen. Obwohl ich die Situation von vor sechs Jahren nur aus den Medien kenne, dürften die Vorzeichen damals anders gewesen sein. Bobadilla spielte bei einem (damaligen Nati B) Verein. Er kam aus Argentinien und brauchte als 19jähriger eine Vorbildfigur, welche ihm den Weg nach Fussballeuropa ebnete. Ein solche “Vaterrolle” nahm Murat Yakin damals wohl ein. Wir wissen alle, dass es mit Bobadillas Weg nach Europa nicht klappte. Bei Gladbach setzte er sich nach drei Jahren nicht durch, wurde kurz nach Griechenland ausgeliehen und landetet wieder in der Schweiz.

Bobadilla ist erst 25 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass er mit dem Gang nach Fussballeuropa noch nicht abgeschlossen hat. Auch Christian Gimenez wechselte erst mit 31 Jahren ins Ausland (und dies, wie FCB Fans wissen, eher im Hauruckstil). Nun ist es aus Sicht von Bobadilla durchaus verständlich, dass er zurück zu seiner “Vaterfigur” der ersten Stunde auf europäischem Boden möchte – zu Murat Yakin. Dies um wieder zu seiner alten Stärke zurückzufinden. Es kann durchaus sein, dass Bobadilla in den ersten Monaten seine Stärken auf dem Platz zeigt und dem FCB viel Freude bereiten wird. Aber je erfolgreicher Murat Yakin mit der Integrationsarbeit ist und je erfolgreicher Bobadilla spielen wird, desto schneller kommt die Zeit, in welcherBobadilla denkt, den erneuten Sprung ins Ausland wagen zu können. Und wehe die Verantwortlichen des FCB wollen dann nicht wie Bobadilla. Er mag ein guter Fussballer sein, aber seine Art kann er nicht leugnen. Es wartet eine Herkulesaufgabe auf den Trainer, den Staff und die ganze Mannschaft. Denn die Mannschaft und ihr Zusammenhalt werden gefordert sein, sollte es mal nicht so laufen wie Bobadilla will.








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