Sait der Babbe zu sim Sohn

6 08 2014

SAIT DR BABBE ZU SIM SOHN
HÜT KUNNSCH MIT INS STADION
D MAMME WO AN DER TÜRE STOHT
WEISS DAS JETZT EN GSCHICHT AFOHT

So lautet die erste Zeile eines der beliebtesten Fanlieder von FCB-Captain Marco Streller. Er hat es selbst gesungen, damals in der Kurve. Lang ist es her. Was wir heute online lesen, ist nun der Hammer. Zu den Gleichnamigen soll Streller nämlich wechseln. Die “Hammers” aus West Ham vom East End Londons.  Führt er seinen Sohn künftig in de Upton Park bzw. bei seinem Vertrag (3 Jahre) ab 2016 ins Olympiastadion von London? Noch vor wenigen Tagen sagte FCB-Sportchef Georg Heitz, dass die Transfers abgeschlossen seien. Wenn noch jemand den Verein verlassen sollte, dann einer, mit dem man nicht rechnet. Wusste er da etwa schon vom Angebot der Londoner? Mit Streller hat wirklich keiner gerechnet und es wäre der letzte und für die Fans schmerzhafte Vollzug von der Basler “Identifikationstruppe” hin zu “Internationale” Basel. Sollte sich im Laufe des Tages respektive der Woche bewahrheiten, dass der Transfer zustande kommt, steht der Klub vor einem neuen Zeitalter. Der Umbruch wäre vollends vollzogen.

Die Nachricht wird heute den eingefleischten FCB-Fan schocken. Aus Sicht eines Marco Strellers wird es wohl einer der schwersten Entscheide seine der Karriere sein. Die Insel war immer ein Traum, London eine attraktive Stadt und die Erfahrung einmal in der Premier League zu spielen ist verlockend. Betrachten wir es realistisch, dann muss er das Angebot annehmen und das Abenteuer wagen. Der FCB als Unternehmen würde den Abgang verkraften. Der FCB als Integrationsmagnet einer ganzen Region aber hätte daran zu knabbern. Eines der letzten Puzzles der rotblauen Seele verliesse das Joggeli. Zeit, sich neue Integrationsfiguren zu suchen.

Nachtrag: Marco Streller hat in die Augen seines Sohnes geschaut und wie ein Vater entschieden. So werden Legenden geboren!





FC Basel: Man spricht englisch

23 07 2014

Wüsse, wohär me kunnt, schä

Alex Frei und Beni Huggel sind schon lange weg, David Degen hat seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt und die 14 trägt nun ein japanischer Popstar; auf dem Rücken und um den Hals. Der Umbruch beim FC Basel ist in vollem Gange. Die „Ur-Basler“ tragen nur noch vereinzelt Namen aus der Region, sondern heissen in der kommenden Saison Streller, Degen, Delgado und Safari.

Nach der Ära der Rückkehrer und jene der Eigengewächse soll die Ära der vielversprechenden internationalen Talente folgen, welche dank Champions-League Garantie den FCB als Tor zu Europas Fussballmillionen betrachten. Sie tragen Namen wie Thomas Vaclik, Yoichiro Kakitani und Derlis Gonzalez. Auch Ihnen wird es jedes Mal kalt den Rücken ablaufen, wenn Sie durch die Muttenzerkurve den Rasen des Joggeli betreten werden. Sie werden allerdings nie verstehen, was die Kurve in ihrem Rücken singt.

Mag die regionale Identifikation des FCB und seiner Spieler auch etwas leiden, die Entwicklung ist nachvollziehbar. Der FC Basel ist ein internationales KMU. Er braucht nationale und vor allem internationale Erfolge, will er Jahr für Jahr Talente anziehen, welche später gewinnbringend verkauft werden können. Der Kreislauf des Geldes definiert den Erfolg und umgekehrt. Das mag Nostalgiker stören, ist aber zu akzeptieren, wenn man nicht im nationalen Mittelmass versinken will.

Trotzdem ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen dieses Geld nicht nur in neue Transfers, sondern eben auch in die Entwicklung des eigenen Nachwuchses stecken. Die Trainer und die professionelle Infrastruktur einer nachhaltigen Nachwuchsarbeit kosten heute mehr, als manch ein Super League Verein als Jahresbudget für seine 1. Mannschaft zur Verfügung hat. Aber nur so kann der neue Frei, Xhaka oder Shaqiri einst in Rotblau auflaufen. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Embolo, Aliji oder die Ajeti-Brüder sind vielversprechende regionale Talente, welche alle schon Einsätze in der 1. Mannschaft verbuchten. Es braucht diese Identifikationsfiguren, welche irgendwann auch wieder das Gerüst einer Mannschaft bilden können. Ganz abgesehen davon, gibt es draussen im internationalen Fussball auch noch den einen oder anderen Spieler, welcher auf den Plätzen der Region sein Handwerk erlernte und einst als Rückkehrer die Massen im Herbst seiner Karriere nochmals verzücken könnte. Man denke nur an den Möhlner Ivan Rakitic.

Der FC Bayern München macht es vor. Dort wird Bayrisch gesprochen, was viel zur Identifikation beiträgt. Langfristig muss das beim FCB auch das Ziel sein und Baseldeutsch muss eine prägende Rolle spielen. Erst wenn es keine Spieler mehr gibt, welche von sich sagen können, dass ihr Weg von der Kurve auf den Rasen führte, hat der FCB seine Seele verkauft. Soweit ist es noch lange nicht, aber die Nachwuchsarbeit ist gefordert.

Zur Erreichung dieses Zieles nimmt man auch gerne mal einen Umbruch wie den aktuellen in Kauf.

Nachtrag vom 29. Juli 2014: Die BaZ zeigt es heute schon, was ich meine. Vor zwei Jahren standen noch acht Spieler, welche aus dem eigenen Nachwuchs stammen, in der Startformation!

BaZ

Nachtrag 2 vom 13. August 2014: Es ist übrigens noch nicht so lange her, das hiess es “Man spricht deutsch”.





Paulo Sousa – eine mutige Wahl

29 05 2014

Bild

Ich schicke es gleich voraus: die Wahl von Paulo Sousa zum neuen FCB-Trainer macht mich nicht euphorisch. Ja, der Mann hat aus der Ferne etwas Unsympathisches (Nachtrag vom 2.6.2014: In Natura hat er was SEHR Sympathisches, allerdings werden die Spieler sicher auch eine andere Seite kennenlernen). Ich kann zudem heute schon mit Bestimmtheit sagen, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht erfüllen wird. Spielt er erfolgreiche, aber unattraktiven Fussball, dann wird er entlassen. Spielt er einen attraktiven, aber erfolglosen Fussball, wird er auch entlassen und spielt er erfolgreich und attraktiv, dann wechselt er als Trainer in eine andere Liga. Sei es wie es ist, die Wahl ist getroffen und nun gilt es nach vorne zu schauen.

Es ist allerdings kommunikativ nicht sehr geschickt, den Trainer jetzt zu kommunizieren und dann drei Zeitungstage zu warten, bis man dazu Stellung nimmt. Falls man kommunizieren musste, dann hätte man ohne Anwesenheit des Trainer bereits Stellung nehmen können, so lässt man das Feld für Spekulationen und Einschätzungen sehr lange offen, ohne es kommunikativ zu beeinflussen respektive das Agenda Setting in der Hand zu haben. Es wäre nicht verwunderlich, müsste Bernhard Heusler am Montag zuerst einnmal diverse Medienberichte kommentieren.

Was aber können wir vom Trainer erwarten? Wir können nur spekulieren, weil sich ja wie gesagt, niemand dazu äussert.

Auf jeden Fall einen Trainer, der als Spieler grosse Erfolge bei grossen Klubs gefeiert hat. Allerdings im Gegenzug kein Trainer, der schon in einer halbwegs europäische mithaltenden Liga als Trainer gearbeitet hat, auss der kurzen Abstecher zu den Queens Park Rangers gleich zu Beginn seiner Karriere. Er ist zwar Lateiner, man sollte aber keine Wunder im Umgang mit den Südamerikanern erwarten. Erstens ins Sousa Europäer und zweitens ist seine Muttersprache Portugisiesch und nicht Spanisch. Und da fängt schon das nächste Problem an: die Sprache. Sousa muss (und der Klub sollte diese auch einfordern) entweder einen Assistenztrainer engagieren, welcher perfekt Deutsch und perfekt Portugisiesch spricht oder dann Sousa in einen Deutsch Intensivkurs schicken. Pep Guardiola macht es vor, aber selbst ihn verstehen nicht alle bei den Bayern, Zweitsprache bleibt Zweitsprache.

Ich denke, am besten ist es, wenn wir vom Trainer n icht allzuviel erwarten. Er ist kein Schwergewicht, hat bisher keine prägenden Spuren hinterlassen, was auch an der mangelnde internationalen Bekanntheit der Lige (Ungarn, Israel) hängen mag, in welchen er trainierte und wird auf jeden Fall einen schweren Job antreten. Kurzum: Paulo Sousa ist eine mutige, sehr mutige Wahl.

 

 

 





Wieso der FCB nicht wegen des Schiedsrichters verloren hat

21 04 2014

Weil,

- Gaston Sauro mehr Vertrauen in seine Handarbeit als in Yann Sommers Qualitäten hat.

- ohne Streller offensiv nichts läuft.

- der durchschnittliche FCB Spieler zirka 900 Minuten mehr Fussball in  den Knochen hat, als ein FCZler.

- die FCZ Präsidenten Gattin mehr Mut beim Coiffeur zeigt, als Murat Yakin bei seiner Taktik.

- der FCZ heisser auf den Titel war.

- das Kosten/Nutzen-Verhältnis der Offensivtransfers beim FCB diese Saison schlechter ist, als beim FCZ.

- in Zürich bei einer Cupfinalfeier der öffentliche Verkehr nicht beeinträchtigt wird.

- der ZSC noch Bier von der Meisterfeier übrig hatte.

- der FCZ die Tore machte und nur das zählt.

- der FCB (wohl zurecht), seine Gedanken schon bei GC und der Meisterschaft hatte.

 





10 gegen 10’000

27 03 2014

Die Mahner, Rufer und Besserwisser (ACHTUNG: auch ich bin ein Besserwisser) haben nach dem Urteil der Uefa gegen den FC Basle wieder Hochkonjunktur. Allerdings nützt es nicht, böse und liebe Fans gegeneinander auszuspielen. Wir waren alle mal jung. Keine Repressalie und Regulierung der Welt, verhindert Vorkommen wie in Salzburg, solange man den Fussball nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen will. Die Vergleiche mit der Premier League kann ich schon nicht mehr hören. Dort wurden die Ticketpreise so hoch angesetzt, dass sich kaum ein gewöhnlicher Fans die Tickets mehr leisten kann. Das gesellschaftliche Problem wurde über den Geldbeutel beseitigt und auf tiefere Ligen “ausgelagert”. Das funktioniert aber nur, weil Englands Fussball eine Geld- und Unterhaltungsmaschine ist, so dass die betuchte Klientel die Stadien halt trotzdem füllt. In der Schweiz ist dies nicht realisierbar, dafür ist die Liga einfach zu wenig stark. Auf der anderen Seite bewundern alle die Hingabe, mit welcher der sogenannte MK-Fans, die Fahne des Klubs auch im Ausland hochhält. Die Gesänge, welche durch englische Stadien hallten, finden auch in den englischen Medien immer wieder anerkennende Aufmerksamkeit.

Fakt ist aber, dass es eine Gratwanderung zwischen Hingabe, Engagement und ausufernden Aktionen wie Pyros und Vorkommnissen wie in Salburg gibt. Gerade auswärts – und das wird sicher jeder Psychologe bestätigen – ist diese Gefahr umsogrösser, weil man in der Minderheit ist und es den anderen zeigen will. Verfolgte man das Auftreten der Verantwortlichen und östreichischen Medien rund um das Spiel gegen Salzburg, war es auch nicht verwunderlich, dass die Fans zu solchen Reaktionen griffen. Man konnte fast meinen, Salzburg war sich des Status, welcher der FCB sich sportlich in Europa erarbeitet hatte nicht bewusst bzw. wollte ihn nicht anerkennen. Da mussten die Fans quasi zeigen, wer der FCB ist. Es braucht nur einen, der sich dann nicht im Griff hat und Tausende werden gestraft.

Das Urteil zeigt aber auch, dass der FCB mit seinen Erfolgen bei der Uefa nur eine Aussenseiterrolle einnimmt. Er hat nicht das Standing, um so bedeutend zu sein, als dass es den europäischen Wettbewerb nicht auch ohne ihn geben kann. Hochmut kommt vor dem Fall und dieser kann nicht nur Offizielle und Spieler, sondern eben auch Fans befallen. Die Frage nach Gerechtigkeit stellt sich beim Urteil nicht. Die Uefa legt die Spielregeln fest und es ist wie bei einem Unternehmen, Mitarbeiter können entlassen werden. Jeder ist ersetzbar, auch der FCB in Europa und der nächste Schweizer Klub steht bereit, um diesen Platz einzunehmen.

Noch ist es nicht soweit, auch wenn das Kapitel Europa League nun wohl ausgeträumt ist. Sich vor leeren Rängen zu begeistern, ist für einen Fussball nicht einfach, selbst wenn er nur seinen Job macht. Aber der motivierteste Mitarbeiter braucht die Anerkennung und das Lob von Mitstreitern und Vorgesetzten, um Höchstleistungen zu erbringen. Es ist zu hoffen, dass die fehlende Ambiance auch auf Valencia abfärbt.

Was bleibt vom Urteil hängen? Zwei Jahre Bewährung ist fast die schlimmste Sanktion innerhalb des Sanktionenkataloges, denn in zwei Jahren vergisst man schnell, wenn der Alltag wieder zur Routine wird. Es wird schwierig sich zwei Jahre unter Kontrolle zu haben, wenn 10 Leute das Schicksal von 10’000 mitbestimmen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass es schwieriger sein wird, die zwei Jahre unbeschadet zu überstehen, als einen Ersatz für Yann Sommer zu finden.

Wir wollen keine uniforme Fankultur. Der Grat zwischen Erlaubtem und Verbotenem wird und muss auch in Zukunft dünn sein, will man dies unterbinden, sterben Emotionen.





Umbruch im und wegen Sommer

6 03 2014

Sportlich läuft die Suche nach dem Meister 2014 noch, aber der FCB muss und wird sich schon heute Gedanken darüber machen, wie die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen wird. Sommer verlässt den FCB in Richtung Bundesliga, Streller ist und bleibt Alleinunterhalter im Sturm (wenn er denn seinen Vertrag erfüllt) und auch sonst können je nach Abschneiden der Schweizer Nationalmannschaft in Brasilien auch Stocker oder Schär ein Thema für ausländische Klubs werden.

Die Abwehr ist das kleinste Sorgenkind des FCB. Da wird man immer fündig. Schwieriger ist es ganz hinten und ganz vorne. Aber fangen wir hinten an: Wer wird Nachfolger von Sommer? Ich denke, es wäre an der Zeit, sich Gedanken zu machen, Diego Benaglio in die Schweiz zu holen, trotz Vertrag bis 2017 in Wolfsburg. Der Mann hat die 30 erreicht und Tochter Melija wird im September 4 Jahre alt. Da macht man sich langsam Gedanken über den Kindergarten und die baldige Einschulung (Fussballer sind ja auch nur Eltern). Was läge näher, einen Top-Goalie für vier Jahre zu verpflichten und ihm den Weg in die Heimat zu ebnen. Champions-League könnte er immer noch spielen und auch in der Meisterschaft wäre er gefordert, da gegen den FCB eh jeder sein Bestes gibt. Am Geld sollte es nicht scheitern. Damit wäre auch der Weg frei, um in dieser Zeit hinter dem erfahrenen Benaglio einen jungen Goalie aufzubauen. Nur mal so laut gedacht.

Erst 26 Jahre alt wird Ivan Rakitic in vier Tagen, aber wer gestern beim Freundschaftsspiel Schweiz-Kroatien dessen Freistösse in den Strafraum gesehen hat, weiss ohne grossen Fussballsachverstand, dass Rakitic der bessere Delgado ist. Lieber heute als morgen, sollten man den verlorenen Sohn zurückholen. Allerdings wird das weit schwieriger, denn wer kommt zurück in die Schweiz, wenn er in der Primera Division Kapitän seines Teams ist und das im besten Fussballalter. Trotzdem: Probieren und wenn nicht 2014 dann spätestens in zwei Jahren.

Schwieriger wird es, einen Streller Ersatz aufzubauen., kommt hinzu, dass hier die Zeit genau so drängt, wie in der Frage des Goalies. Der Zug mit Josip Drmic ist abgefahren und aus Schweizer Sicht zeigt sich keine vielversprechende Lösung. Hier muss die Hoffnung darauf gelegt werden, dass Chefscout Ruedi Zbinden, einen No-Name mit Knippser-Qualitäten aus dem Hut zaubert.

Es bleibt spannend!

 





Ist der Teppich für Yakin’s Abgang ausgelegt?

3 12 2013

Die Basler Zeitung rollt schon mal den Teppich für den möglichen Abgang von FCB-Cheftrainer Murat Yakin aus. Sie spurt die Kommunikation der Verantwortlichen gegenüber den Fans vor. (Gute Gründe für latente Unruhe beim FCB). So kommt es einem zumindest vor, wenn man den Artikel liest. Die Marke FCB muss nicht kurz- sondern langfristig denken und da könnte der Trainer Murat Yakin keine Zukunftslösung sein. Die mag stimmen und die Verantwortlichen haben mit ihren Entscheidungen in letzter Zeit immer Recht erhalten. Ausser bei Raoul Bobadilla, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, kann es durchaus sein, dass dessen Verpflichtung auch auf Drängen von Yakin Zustande gekommen sein könnte und es Bernhard Heusler heute noch wurmt, dass die Sache schief ging. Die Anzeichen dafür leuchteten aber von Anfang an wie der Polarstern am Himmelsfirmament.

Man kann von Yakin halten was man will, es war aber abzusehen, dass er seinen Charakter nicht ändert und sich nicht als Teil eines Unternehmen sieht. Auf jeden Fall nicht in der Weise, wie das den Verantwortlichen vorschwebt. Die Gründe für einen möglichen Abgang alleine bei Yakin zu suchen, wäre deshalb falsch. Noch ist er aber Trainer und ein durchaus erfolgreicher. Seit Christian Gross stand keiner mehr an der Linie, der eine Mannschaft so auf einen Gegner einstellen kann wie Yakin. Dabei ist es auch logisch, dass bei einem Trainer aus der Kategorie U40 mal eine Entscheidung bezüglich Spielsystem getroffen wird, die kein Mensch versteht. Irgendwie gehört das dazu. Junge Trainer müssen auch das Privileg haben, ihre Linie zu finden.

Ungeachtet der Tatsache, dass es innerhalb des Unternehmens Dissonanzen gibt, wäre es dem FCB zu wünschen, eine langfristige Lösung für den Posten zu finden. Diese kann durchaus in der Person Yakin liegen. Ein Sir Alex Ferguson oder Guy Roux waren auch nicht immer die pflegeleichtesten Trainer und führten mit der Teamleitung und den Spieler so manchen Kampf. Am Schluss zählt der Erfolg und Kontinuität ist nicht das schlechteste Rezept dafür.

Eher amüsant liest man die Randbemerkung, dass Thorsten Fink wieder auf der Matte stehen soll. Ohne Zweifel ist er ein Trainer mit Herz und Emotionen. Die Öffentlichkeit liebt ihn. Allerdings stellt man sich die Frage, wer die Trainings leiten soll und die Knochenarbeit machen müsste, wenn Thorsten Fink zurückkommt. Der Vogel ist bekanntlich ausgeflogen.





Wenn Trainer Entscheidungen treffen

23 10 2013

Ein alte Fussballweisheit sagt: Spieler gewinnen Spiele, Trainer verlieren diese. Genau aus diesem Grund versucht ein Trainer während eines Spieles alles zu unternehmen, dass Spiele gewonnen werden. Einfluss haben sie kaum noch, wenn das Spiel erst einmal läuft. Ein paar Zurufe hier und da, die Pausenansprache und natürlich die Auswechslungen. Wenig Einfluss also, aber viel Potential, etwas falsch zu machen.

Zwei FCB-Trainer machten in den letzten Tagen alles, um zu gewinnen, allerdings mit unterschiedlichen Erfolgen. Pep Guardiola ist ein General. Er belässt es nicht damit, dass sein Einfluss mit Anpfiff des Spiels endet. Selbst beim Stande von 3:1 für seine Mannschaft und in der 82. Minute griff er energisch ein, nur um Arjen Robben klar zu machen, dass nicht er, sondern Thomas Müller den Penalty schiessen soll. Das hat gesessen. Der Chef sitzt an der Seitenlinie.

Ein anderer Chef ist Murat Yakin. Er trifft seine Entscheidungen mit nicht weniger Konsequenz als Pep Guardiola, aber meist vor dem Spiel. Die Degen-Zwillinge oder Gaston Sauro können ein Lied davon singen. Sein System sorgt bisweilen auch mal für Verwirrung und seine Auswechslungen beeinflussen eine Mannschaft positiv oder negativ. Bisher hat es geklappt, so wie mit der Einwechslung von Matias Delgado im Champions-League Spiel gegen Chelsea. Nun aber muss auch er sich seine Gedanken machen. Die Auswechslung von Marco Streller fast 20 Minuten vor Spielschluss in der Champions-League gegen Steaua Bukarest bracht nicht die erhoffte Wirkung. Er wollte das Mittelfeld mit Mohamed Elneny dicht machen, schätzte aber die Auswirkungen auf das Konterspiel des FCB in dieser Phase schlecht ein. Keiner mehr da, der hoch angespielt werden kann und den Ball auch mal hält. Stattdessen versuchte es Mohamed Salah mit einer Schnelligkeit und seinen Dribblings im stürmischen Spiel nach vorne und verlor den Ball mehrfach, was Steaua wieder Möglichkeit gab und keine Ruhe brachte.  Die Achtelfinals in der Champions League sind nun nur noch mit einem Kraftakt auswärts gegen Schalke und daheim gegen Chelsea möglich. Vorausgesetzt man holt den Dreier im nächsten Heimspiel gegen Steaua. Auch ein Überwintern in der Europa League ist für einen Schweizer Klub nach wie vor eine grosse Leistung. Wer aber Chelsea in London schlägt, darf mehr erhoffen.

Abgerechnet wird am Schluss, aber die Weisheit bleibt, dass Erfolge den Spielern und Misserfolge den Trainern gehören.





Der Balanceakt mit der Sättigung

21 05 2013

Der FC Basel läuft gegen Ende der Spielzeit auf dem Zahnfleisch. Im Vergleich zum Rest der Schweizer Liga hat das Team von Murat Yakin rund 20 Spiele mehr in den Knochen. In Deutschland ist das mehr als eine Hinrunde! Kein Wunder stottert der Motor nun und kein Wunder ist die Selbstverständlichkeit und der Angriffsfussball nur noch ein Schatten seiner Selbst. Deshalb redet auch niemand von einem Wunder, wenn der zurzeit zweitbeste Klub der Schweiz (GCZ) den Cupsieg in Penaltyschiessen holt. Da muss keine Welt zusammenbrechen, noch braucht es deswegen Krisensitzungen auf der Geschäftsstelle des FCB.

Trotzdem hat sich gestern etwas abgezeichnet, was richtungsweisend sein kann. Ständig spielt der FCB mit einer Mannschaft am Rande des Sättigungsgrades. Es ist den Verantwortlichen zu verdanken, dass man die Grenze bisher nicht nachhaltig überschritten hat. Trainerwechsel und Spielerzukäufe brachten immer wieder neue Impulse. Doch nun sehen sich die Verantwortlichen im Hinblick auf die neue Saison vor Herausforderungen. Der Meistertitel wird sich die Mannschaft kaum mehr nehmen lassen, die Champions-League Qualifikation kann zumindest im Hintergrund geplant werden. Doch was auf dem Papier toll aussehen mag, verdient einen vertieften Blick.

Die Sättigung betrifft auch die Konsumenten sprich Zuschauer. Diese zeigt sich zum Beispiel in der Tatsache, dass ein Cupfinal nach sechs Finalteilnahmen in der jüngeren Zeit nicht mehr zieht. Das Ergebnis sind viele freie Plätze im Stade de Suisse. Obwohl die Mannschaft in der Europa-League eine unglaubliche Serie an den Tag legte, füllten sich die Stadien erst, als Tottenham und Chelsea kamen. Mit einer Selbstverständlichkeit erwarten die Zuschauer heute Erfolge, Titel und Spektakel und immer mehr zeigt sich, dass nur der harte Kern, wegen dem FCB an sich ins Stadtion kommt. Solche Tendenzen sind auch Vorboten in Sachen Sponsoring. Sponsoren wie Zuschauer müssen unterhalten werden, sollen sie auch in Zukunft ihr Portemonnaie öffnen. Und hier gilt es, die richtige Strategie zwischen der Steuerung der Erwartungshaltung und der Erfüllung des Anspruches auf dem Platz, zu finden.

Sättigung gepaart mit Müdigkeit nach einer langen Saison ist aber auch in der Mannschaft zu erkennen. So hatte man zweitweise den Eindruck, dass in den letzten Monaten Meisterschaftsspiele zum leidigen Pflichtprogramm verkamen. Es wird einen Schnitt geben (Steinhöfer, Cabral, Yapi müssen sowie Stocker, Dragovic und ein überraschenderer Dritter? werden wohl gehen). Sportlich liegt es dann an Murat Yakin, die nötigen Reize zu schaffen, dass die Sättigung eben nicht eintritt und der Wille nach immer mehr Erfolg verinnerlicht und damit zum Selbstverständnis wird. Eine der heikelsten Fragen stellt sich im Sturm. Kann Marco Streller trotz angekündigter Vertragsverlängerung nochmals die Kraft und den Willen für eine weitere Saison finden, gelingt die Integration von Bobadilla und welche Jungen nach Fabian Schär schaffen den Sprung in die 1. Mannschaft.

Die Antworten darauf sind richtungsweisend und sie sind in einem Umfeld zu suchen, welches den täglichen Balanceakt der Sättigung beherrschen muss, will der FCB auch die nächsten 10 Jahre erfolgreichen Fussball spielen.





Realität, wir haben ein Problem

29 04 2013

Die erste Niederlage der Meisterschaft im heimischen St. Jakob Park ist Tatsache und schon könnte man meinen, das Ende naht. “Nicht mal Fussball auf Challenge-League Niveau” war da noch einer der netteren Kommentare, welchen man in den Medien vernahm oder gestern im Stadion zu hören bekam. Hallo? Der FCB spielt seit Wochen im 3-Tages Rhythmus, warf den ukranischen Meister, den russischen Meister und die Tottenham Hotspurs aus der Europa-League und holte in dieser Zeit den Rückstand auf das junge Team des GC Zürich auf. Ein Höhepunkt nach dem anderen wechselte sich ab und man könnte meinen, dass Einige dabei den Sinn für die Realität verloren haben: Medien und Fans.

Halten wir fest. Der FC Basel reitet seit 2002 mit einigen Unterbrüchen auf einer Welle des Erfolges. Diese in der Vereinsgeschichte aussergewöhnlichen Jahre hatten den Nebeneffekt, dass der Misserfolg in der schnellen Mediengesellschaft praktisch vergessen wurde. Vereinzelt mögen sich ältere Fans noch an Zeiten erinnern, als ein gewisser Peter Epting hauptsächlich damit beschäftigt war, zu schauen, dass der FC Basel 1893 nicht in den Konkurs schlittert. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass wir dankbar sein müssen, für das, was wir in den letzten 10 Jahren erleben durfte. Die Fans, die Medien, der Schweizer Fussball, weil er mit einen Vereins-Uefa-Koeffizienten ausgestattet ist, der es praktisch der Hälfte der Klubs erlaubt, am internationalen Geschäft zu partizipieren und zu guter letzt auch die Schweizer Fussballtalente. Sie haben endlich die Möglichkeit, sich bei einem Schweizer Spitzenklub auf europäischem Niveau zu entwickeln, bevor sie ins Ausland wechseln.

In diesem Sinne: Calm down! Geniessen wir den Fussball und schrauben wir mit jedem Erfolg die Ansprüche nicht unnötig nach oben. Um langfristig an der Spitze zu spielen, fehlen dem FCB und dem Schweizer Fussball noch einige Grundlagen. Allen voran Geld, wie zum Beispiel aus den TV-Lizenzen. Denn erst wenn der Schweizer Fussball nur die Hälfte des Gelder, welche ein durchschnittlicher Bundesliga oder Premier League Klub erhält zur Verfügung hat, kann es ihm gelingen, dauerhaft in die europäische Spitze vorzustossen, zusammen mit den bereits in einigen Klubs erfolgreich betriebenen Nachwuchsförderung sowie dem Scouting.

Bis dahin ist es ein weiter Weg und selbst wenn der FCB in dieser Saison keinen einzigen Titel holt, hat er mehr erreicht, als dies in einem Durschnittsjahr in der 120jährigen Klubgeschichte der Fall war. Das musste wieder mal gesagt werden, denn nichts ist selbstverständlich und schon gar nicht der Erfolg.








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